GRUPPE:filmkunst
Als unabhängige Produktion für historische Spielfilme mit Hurenkarussell auf internationalen Filmfestivals von Rom bis New York überregional bekannt geworden greift GRUPPE:filmkunst zeitlose Themen wie Prostitution oder Kindesmissbrauch auf und stellt sie im Zusammenhang mit modernen gesellschaftlichen Verhältnissen dar. Künslterische Leiter sind Bettina Hutterer (Produktion Art Direction) und Cajetan Jacob (Buch Regie). GRUPPE:filmkunst hat ihren Sitz am Attersee in Oberösterreich.
IMPRESSUM:
Feldstraße 6, 4861 Schörfling am Attersee / 0650 703 19 19
Wie das Freudenmädchen Marie zur Heldin wird und die kleine Anna vor der Schändung durch deren Vater bewahren will.
Der kontroversielle Stoff erregte u. a. großes Aufsehen bei Nichtregierungsorganisationen und wurde von mnesty International Wien im Rahmen der internationalen Tage gegen Gewalt an Frauen gezeigt. urenkarussell sei einer der wenigen Filme die Prostituierte im richtigen Licht zeigen und sie als Menschen und nicht nur als sexuelle Objekte darstellen.
REGIE TAGEBUCH VON CAJETAN JACOB
Mein Name ist Cajetan Jacob. Ich bin Filmemacher und stelle auf meinem Blog nicht nur die Filme vor, bei denen ich Regie führen durfte, sondern erläutere auch Schritt für Schritt wie sie entstanden sind. Wer möchte, kann so einen tiefen Einblick in meine Arbeit gewinnen. Seit ungefähr 10 Jahren drehe ich, gemeinsam mit Bettina Hutterer, historische Spielfilme mit zeitgemäßem Anspruch. Zeichnungen, Synopsen, Produktionsskizzen, Fotografien, Trailer und Festivalberichte kann man hier ebenso nachverfolgen, wie persönliche Kommentare zum Filmgeschehen.
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Weltpremiere am 2. Mai
2012 im Starmovie Regau
zum offiziellen
Pöschl predigte u. a.:
“Wer noch an der Welt und ihren Gütern hängt, kann bei dieser höchstwichtigen Zeit der Erneuerung der Kirche und Wiederher-stellung aller Dinge nicht bestehen, sondern wird in den Fallstricken des Satans sein Ende finden” usw.
Die Seherin Magdalena Sickinger träumte von Pöschls Ankunft in Ampflwang. Ihre weiteren Visionen legten den Grundstein für die neue Bewegung.
Thomas Pöschls Karriere startete nach seinem Studium in Braunau wo er die dortige Bevölkerung mit aufsehenerregenden Predigten in Angst und Schrecken versetzte. So exorzierte er u. a. auch ledige Kinder...
Nachdem Tumulte und Ritualmorde ihr Ende fanden beschlossen an die 50 Pöschlianer nach Amerika auszuwandern. In Luisiana lebten sie in Kommunen zusammen. Dort verlieren sich bald ihre historischen Spuren.
Biblische Zitate:
Paulus lehret: Satan ist ein Fürst, ein Gewalti-ger, ein mächtiger Geist, der in der Finsternis dieser Welt herrschet, es sind Geister in der Luft; wir haben mit ihnen zu kämpfen.
(Ephes. 6, 12)
Therese lebt zwischen zwei Welten. Als Dienstmädchen hat sie sich in die mondäne Gräfin Meta von W. verliebt und als Frau von ärmlicher Herkunft, muss sie dabei zusehen, wie ihre Schwester Magdalena von einem teuflischen Sektierer in den Abgrund gezogen wird. Jene vollzieht mit dem berüchtigten Priester Thomas Pöschl Teufelsaustreibungen im Dorf. Kleine Kinder müssen dem Teufel abschwören, eine junge Frau wird brutal exorziert und später von Pöschl zur Heiligen stilisiert.
Als der eigentliche Pfarrer Hilfe bei der Gräfin sucht, begibt sich jene mit Therese auf Entdeckungsreise ins Dorf und findet auf den vereinzelten Höfen Menschen vor, die nicht mehr von dieser Welt zu stammen scheinen. Kleine Kinder klettern auf Obstbäume und beten den Heiligen Geist an, hauchende Mädchen knien auf den Feldern vor Thereses Schwester am Boden. Meta zitiert den neuen Pfarrer zu sich ins Schloss. Kann sie der drohenden Gefahr noch einmal den Riegel vorschieben oder wird eine neue und gefährliche Kraft übers Hausruckviertel hinwegfegen und alles vernichten was nicht rein und gottgefällig ist?
Das Falsche Herz entstand frei nach historischen Quellen. Die Riten, Bräuche und Menschenopfer der Pöschlianer wurden ebenso in den Film übernommen, wie das fanatische Gedankengut der Sekte. Cajetan Jacob hat drei Jahre an seinem Drehbuch geschrieben und die historischen Tatsachen in eine fiktionale lesbische Liebesgeschichte eingearbeitet. Herausgekommen ist ein ebenso tiefgründiger wie spektakulärer Aufruf zur Toleranz.
Eine gefährliche Sekte
Exorzismus
verzückte Frauen
Adaptierung
Eine gefährliche Gemeinschaft:
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird der Priester Thomas Pöschl (wegen zu fanatischem Auftreten) von Braunau in die kleine Gemeinde Ampflwang am Hausruckwald strafversetzt. Als Kooperator soll er dort einfache Gemeindearbeit leisten, aber stattdessen gründet er mit der Seherin Magdalena Sickinger eine Sekte der Reinen und Anständigen. Primäre Ziele sind die Reinigung der sündhaften Dorfbevölkerung, Bußaufgaben die sich auf mehrere Jahre erstrecken und allenfalls die Vernichtung der Ungläubigen. Weitere Pläne sind das Absetzen des Pabstes in Rom und die Bekehrung der Juden zu Prag und Jerusalem. Durch diese übergroßen Ambitionen aufgestachelt findet die Gemeinschaft gerade unter Frauen und Mädchen schnell tatkräftige Anhänger. Unter den Gläubigen tut sich besonders eine Gruppe „hauchender Mädchen“ hervor. Es handelt sich dabei um eine Splittergruppe, die von eingangs harmlosen Andächtigen schnell zum gewalttätigen Mob werden. Als Pöschl das erste Mal von der Vertilgung der Ungläubigen spricht, wird er verhaftet
und erst nach Salzburg und dann nach Wien ins Priestergefängnis gebracht. Dem spirituellen Führer verlustig geworden, gerät die Sekte der einfachen Bauern und Mägde schnell außer Kontrolle. So lassen auch die ersten Menschenopfer nicht lange auf sich warten. Nach den ersten spektakulären Übergriffen, dem Öffnen eines Herzens, dem Abschlachten eines Mädchens und der brutalen Reinigung der Massen, schreitet die Nationalgarde ein und befreit die verängstigte Landbevölkerung von ihren Peinigern. Die Angeklagten werden beim Prozess für nicht zurechnungsfähig erklärt und größtenteils freigesprochen. Magdalena Sickinger wendet sich durch Zureden der kirchlichen Obrigkeit von ihren Visionen ab und tritt laut historischen Quellen nicht mehr spirituell in Erscheingung. Thomas Pöschl wird das Priestergefängnis nie wieder verlassen. Er wird noch Zeit seines Lebens Briefe an Magdalena Sickinger schreiben, in denen er sie auffordert, ihm ihre neuesten Visionen mitzuteilen. Nachfolgende Genereationen werden sich noch lange um seinen Geisteszustand streiten.
Teufelsaustreibung im Hausruckviertel
In Schörfling am Attersee war eine Dienstmagd, die schon geraume Zeit Polyxenias (im Film: Marta) eifrige Schülerin war und ihrer Umgebung die neue Lehre ausbreitete, Anhänger gewann und den Teufel austrieb. Eines Tages lud sie zwei vorübergehende Bauern zu sich um sie zu reinigen. Sie sperrte Türen und Fenster zu, zog mit Kreide einen Kreis auf den Boden und stellte sich, ihren Knaben und die Männer hinein mit dem Verbote, ja nicht darüber hinaus zu treten oder zu reden, weil sie sonst gleich der Teufel holen würde. Dann nahm sie ein Waschholz in eine, einen Krug Wasser in die andere Hand, und schlug dabei, sich beständig im Kreise herumdrehend, unbarm-herzig auf die beiden Männer und den Knaben los. Die Männer ertrugen die Schläge mit viel Geduld, der Knabe aber schrie fürchterlich. Hierdurch aufge-schreckt eilten Nachbarn herbei, erbrachen die Türen und fanden die Dirne, in Schweiß gebadet, mit herabhängenden Haaren und nackter Brust, Krug und Waschholz in den Händen, die Männer durchnässt und mit blauen Flecken noch im Kreise stehend, den Knaben aber halbtot im Bette. Verhaftet aß sie nicht, aber auf erfolgte Peitschehiebe nahm sie sowohl Speise als auch Belehrung an.
Sie und die übrigen Verirrten in der Pfarre Schörfling kamen durch die Mühe des Pfarrers Franz Xaver Derflinger wieder zur Besonnenheit. (aus einem historischen Text)
Die Pöschianer glaubten fest an das was sie sehen konnten. Musste sich ein Gefolterter durch die zahlreichen Schläge in die Magengrube übergeben, waren sie überzeugt davon, dass es sich dabei um den Teufel handelte, der aus ihrem Leib herausgesprungen ist. Neben Pöschl war auch der Schmidtofferl (im Film der Forstverwalter der Gräfin) ein berüchtigter Exorzist.
Beate Korntner im Film "Das Falsche Herz"
Nach allen Seiten gingen begeisterte Mädchen, reine Priesterinnen, einzeln in Scharen aus, mit zerrauften Haaren, einen Stock in der Hand, mit eilenden, hüpfenden Schritten, mit singender, rhythmischer Sprechweise, nannten sich "Schafesuchende", hingen sich liebkosend an die Menschen die sie an die Orte der Reinigung zu kommen einluden, ersuchten, ihre Kästen zu öffnen und ihnen alles, was von Wert war, zum Verbrennen zu übergeben, da es ja der Hoffartsteufel sei, der das alles hege und pflege. Die Mädchen tanzten auf den die Kirche umgebenden Friedhof heraus und zwischen den Gräbern herum, als der Pfarrer hinzukam und dieses Schauspiel erblickte. "In des Herren Namen, der da drinnen gegenwärtig ist, begebt euch fort von hier!" rief er ihnen zu, worauf sie sich unter Hohn und Grinsen mit schrillem Lachen auf verschiedenen Wegen hinaus sich entfernten. [...]
Hauchende, verzückte Mädchen
Sie (Anna Maria Burgstaller) ließ die Mädchen der Umgebung zusammenkommen, forderte sie auf, Gott ihre Jungfrauschaft zu geloben, ließ sie alle um einen Tisch sitzen, gab ihnen Bilder zu schauen, sagte jedem Mädchen welche bösen Geister in ihm wohnten, und befahl unter Verwünschungen den Teufeln aus ihm auszufahren, hauchte dann alle an und gebot ihnen, den heiligen Geist einzusaugen. Endlich erklärte sie ihnen, dass sie rein wären, wie nach der Taufe und erlaubte ihnen auch ohne Beichte zum Abendmahl zu gehen. Sie könnten nun auch Andere reinigen, die die wahre Lehre glaubten. Burgstaller eiferte gleichfalls gegen alle Kleiderpracht, ermunterte alle Spuren der Hoffart zu verbrennen, und versprach, in der Karwoche in der Kirche zu Ampflwang auf den Pfarrer reinigen zu wollen, nachdem sie zuvor mit demselben in alten Sprachen werde geredet und dem geistlichen Herrn eine Strafpredigt gehalten haben.
Quelle:
Allgemeine Zeitschrift für
Psychiatrie und psychisch
gerichtliche Medizin, 1856
Wichtig war mir besonders einige Dinge wieder im rechten Licht erscheinen zu lassen. Die Pöschlianer waren eine Frauensekte mit einem männlichen Namensgeber und einem männlichen Mörder (Schmidtofferl). Magdalena Sickinger und ihre Kolleginnen Polyxenia Gstöttner und Franziska Haas waren die eigentlichen Glanzlichter der Bewegung. Pöschl saß während der hauptsächlichen Geschehnisse schon lange im Gefängnis. Es waren also die Frauen, die jene seltsamen Kulte ins Leben riefen, die als Päpstinnen erstmalig auch über Männer herrschten. Pöschl selbst, war ein schwacher, neurotischer Charakter, der ein weibliches Gefäß für seine Visionen brauchte. Magdalena Sickinger, im Film von Elke Pusl dargestellt, war wie geschaffen für diese Aufgabe. Sie kam aus einem hochgläubigen Gebiet in Deutschland und war schon vor seinem Erscheinen mystisch veranlagt. So hat sie ihn schon vor seiner Ankunft in Ampflwang im Traum gesehen. Ihre Träume und Visionen (sicher stark von Pöschl beeinflusst) haben die Bewegung der Pöschlianer erst möglich gemacht.
Die fiktive Figur ihrer Schwester ist nicht nur eine aufgeklärte junge Frau, sondern auch der einzige realistisch denkende Mensch im ganzen Dorf. Sie hat durch ihre Liebe zur Gräfin eine gewisse Bildung erhalten und entwickelt sich im Verlauf der Handlung mehr und mehr zum pragmatischen, modernen Menschen, der warnen und schlimmeres verhindern möchte. Die Gräfin selbst bleibt Kind ihrer Zeit, versucht ihre Macht spielen zu lassen. Ihr Scheitern liegt auf der Hand. Der Herr sprach zu Magdalena: "Ich mache alles neu". Damit hat die Sekte eine neue Ordnung in die Welt gesetzt, in der alles Weltliche sofort entmachtet erscheint.
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Meta und Therese
Julia Lena Lippoldt und Eva Allenbach
Pöschlianersekte
eine nächtliche Zusammenkunft
Magdalena Sickinger und ihre Mutter Katharina
Elke Pusl und Christine Renhardt
Hoffartverbrennen
Magdalena Sickinger und Thomas Pöschl umringt von Sektenmitgliedern
mörderische Rituale
Beate Korntner (Marta), Georg Bonn (Forstverwalter) und Elke Pusl (Magdalena Sickinger)
Thomas Pöschl
gespielt von Hannes Liebmann
Mehr Szenenfotos und Behind the Scenes Aufnahmen finden Sie in unserer Galerie!
DREHORTE
Kernstockhaus, Gampern
Anwesen Fam. Reiter, Neuhofen im Innkreis
im GRUPPE:filmkunst Atelier, Schörfling
Gutshaus Schloss Starhemberg, Haag am H.
Anwesen August Gasselsberger, Ottnang
Rauchhaus, Mondsee
Schloss Wolfsegg, Wolfsegg
IN WEITEREN
ROLLEN:
Lotti Waidmann
Andreas Peer
Herbert Wiesinger
August Gasselsberger
Fred Huber
Laura Trauner
Elisabeth Erkner
Klara Schoberleitner
Lea Laura Winter
Magdalena Leitner
Susanne Gschwendtner
DREHTEAM
DANK AN
Familie Auer, Schörfling
Alfred Huber, Ottnang
Herrn & Frau Kaser, Timelkam
Antiquitäten Höglinger, Gmunden
Isabel Auinger und Filmpferd Belmondo, Bad Aussee
Gasthof Gugg
Gugg Thomas
Hauptplatz 20
A - 4851 Gampern, Bezirk Vöcklabruck
Tel.: +43 (0) 7682/8016
Fax: +43 (0) 7682/8016-66
Zenz'n Stub'n, Schörfling
Gasthof Gugg, Gampern
Gasthaus Lachinger, Gampern
CATERING
GEFÖRDERT VON
Filmförderung Land Oberösterreich
Marktgemeinde Schörfling am Attersee
Marktgemeinde Gampern
Die Abendgesellschaft in Metas Salon
Exorzismus im Film
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Exorzismus
- eine filmische Herausforderung -
Viele Leute haben "Der Exorzist" gesehen. Ich natürlich auch und ich war begeistert. Seit diesem Gamechanger im Horrorfilmgenre wimmelte es nur so vor levitierender, sich über dem Bett verkrampfender Opfer des Allmächtigen im Kino. Der allgemeine, weil aus Amerika stammende Tenor lautete danach: Noch "Lauter", "aggressiver", "monströser" und "spektakulärer!"
Meine Exorzismus Szene war aber entgegen fälschlicher Berichterstattung aus Radio und Fernsehen, nur ein kleiner Teil der Handlung. Ich hatte weder die Absicht sie besonders "groß" oder "spektakulär" erscheinen zu lassen, noch ihr irgendeinen Sonderstatus im Film geben zu wollen. Als Vorbereitung hab ich mich wie immer erst einmal hingesetzt und gründlich zum Thema recherchiert. Ich las Texte aus dem 18. und 19. Jahrhundert, aber im Grunde war mir dann doch alles irgendwie bekannt vorgekommen. Der Historie war also nichts Aufsehen erregendes oder Neues zu entnehmen. Was blieb mir also übrig?, Ich würde einfach das glatte Gegenteil einer Hollywood Szene inszenieren: Alles Herkömmliche umdrehen, aber dennoch etwas Dramatik drin lassen!
Ein mächtiger Pfarrer der ständig nur "Weiche!" schreit? Welche Weiche meint der eigentlich? Wohin soll denn der Besessene hinfahren? Von der Hölle zurück in den Schoß der Kirche? Nein, genug mit den Wortspielen… Kein Geschrei! Nicht im Hausruckviertel. Nicht vom Pfarrer. Nicht in der Stille des Waldes. Nein, so nicht. Der Pfarrer sollte dem Teufel zuflüstern. Damit war erst einmal der hollywoodeske Hokuspokus mit dem Geschrei, der fliegenden Einrichtung und der bebenden und einstürzenden Gebäude draußen. So einen Blödsinn hätte ich nicht einmal gedreht, wenn ich das Geld dazu gehabt hätte. Wo bliebe mein europäisches Kulturverständnis? Die da drüben können das ohnehin besser. Da bleibe ich liebe bei meinem eigenen Stil. Dann war da noch die Sache mit der Dynamik. Aus 30 oder 40 für dieses Sujet üblicher Schnitte, entschied ich mich dank der Raumökonomie für ganze 2 oder 3 bewegte Einstellungen. Das war die technische Seite, aber die dramaturgische war doch wesentlich gefinkelter. Thomas Pöschl hatte nur wenige, aber dafür sehr wichtige Szenen im Film und war für seine didaktische Größe historisch bekannt. Er konnte die Leute gut beeinflussen und ihnen große Schuld einreden. Das klingt einigermaßen subtil und somit undramatisch. Wie sollte ich ihn nun mit der herkömmlichen Dynamik einer solchen Szene konkurrieren lassen?
Ganz einfach: Ich würde ihn von seinen Anhängern umringt zeigen, wie er sich über die Besessene (Beate Korntner) kniet und leise in die Runde spricht: "Seht, was nun passieren wird!" - Damit ließ ich ihn seine Anhänger einbeziehen: "Seid ihr denn alles so rein und gottgefällig?" - Am Ende würden alle verblüfft dastehen und auf das gereinigte Mädchen (Beate Korntner) schauen: Pöschl (Hannes Liebmann) mit einem Gefühl von Triumph, Magdalena Sickinger (Elke Pusl) vom Geschehen fasziniert, die gläubige Masse der Pöschlianer (Statisten und Kleindarsteller aus dem Raum Vöcklabruck) indoktriniert und die arme Therese (Eva Allenbach) so erschrocken wie man nur erschrocken sein kann. Alles in einem Bild. In einem Guss so zu sagen.
Das war vor auch dem Talent von Bettina Hutterers Kamerabewegung zu verdanken. Sie konnte alles zur rechten Zeit einfangen. Den Schrei der Korntner, ihr Zusammensacken, ihre verdrehten Augen und oben drein konnte sie noch einen recht spannenden kleinen Schwenk einbauen, der gegen Ende hin sogar die Achse neu orientierte und zu den staunenden Leuten nach oben ging. Am Ende war ich natürlich froh über mein Ergebnis. Beate, die ich in dieser Rolle ja noch nie spielen gesehen hatte, glänzte, das Konzept ging auf und meine Teufelsaustreibung hatte genug Eigenwillen um sich von anderen Werken abzuheben: Durch die wenigen Einstellungen hat man das Gefühl als Zuschauer am Geschehen unmittelbar teilzunehmen. Die Darsteller waren zum Bild hin inszeniert und die Dynamik kam damit von innen heraus. Sie wurde nicht durch blitzartige Schnitte erzeugt.
Ein ähnlicher Ansatz wurde bei der zweiten Exorzismus Szene gewählt, wo einem sündigen Bauern der Teufel ausgetrieben wird. Der Besessene fliegt spastisch am Boden umher und wird von Magdalena Sickinger (Elke Pusl) mit einem Heiligenbildchen festgehalten. Die Szene hält sich dabei genau an historische Vorbilder.

Die Reise in eine andere Zeit
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Ausstattung
- Ein Gefühl für vergangene Zeiten -
"Kurrent, Korsetts und kein Makeup"
Trotz zeitlicher Distanz zu einer Geschichte aus dem 19. Jahrhundert war uns die Arbeit an „Das falsche Herz“ näher als man vielleicht vermuten mag. Nicht nur weil die Dreharbeiten in unmittelbarer Umgebung oder z.T. direkt an Originalschauplätzen der pöschlianischen Sektenbewegung stattfanden, sondern weil uns Mitwirkende in die Zeitgeschichte folgten, die nicht selten persönlichen Bezug über Vorfahren oder Wohnorte im Hausruckviertel aufbauten. Statistencastings brachten diesmal neben ausdrucksstarken Gesichtern auch interessante Geschichten hervor. Das Rätsel wo tatsächlich das Haus der Polyxenia Gstöttner in Ottnang am Hausruck stand blieb aber bisher ungelöst. Das Drehen in Heimathäusern ist meine Erachtens neben den Originalkostümen aus der Zeit besonders hervorzuheben. Historische Einrichtung, kleine Fenster, wenig Licht und dunkles Holz wirkten sich hinsichtlich Tempo, Haltung, Respekt und Realismus direkt auf Schauspieler und Crew aus. Platz- und equipmenttechnisch sind die niedrigen und engen Räume natürlich eine große Herausforderung. In einer hölzernen Ecke aneinander gepfercht mit Maus, Mader und Megaspinnen überstand das Team zumindest die außergewöhnlich kalten Nächte in diesem Sommer. Das „Wärmloch“ bereicherte uns in dieser Hinsicht mehr film- als heizungsrelevant. Mit offenem Feuer im Bauernhaus und einem gemeinsamen (alten!) Vaterunser waren wir schließlich allesamt in eine längst vergessene Zeit katapultiert. Eines der Sets wurde erneut im GRUPPE:filmkunst Studio eingerichtet, wobei diesmal wehr Wert auf Materialien und Farbgebung gelegt wurde. Die fast tonalistische Ausstattung umfasste auf die Kostüme abgestimmte Wandstoffe, Keramik, eine Wandvertäfelung und viel weitere Detailarbeit. So sehr mich die Genauigkeit des Regisseurs auch auf die Palme bringt, so viel erfährt und lernt man auch, sei es übers Damensattelreiten, Dienstmädchenbenehmen oder Denkmalschutz. Und wie schwierig ist es eigentlich den Besitzer einer Wiese oder eines Schlosses ausfindig zu machen. Was noch: Kurrent, Korsetts und kein Makeup.
--- BETTINA HUTTERER, PRODUZENTIN ---
Die Macht der Dialoge
Ich war in meiner gesamten Laufbahn noch nie so schockiert über die Auswirkungen der Dialoge wie in diesem Film. Das ist mir beim Lesen nie so recht bewusst geworden. "Sie ist uns allen voraus gegangen"; ist ein einfacher Satz, aber im rechten Zusammenhang betrachtet, trifft er uns wie ein Faustschlag. So wollte ich schon während der Dreharbeiten schnurstracks ins Bild marschieren und meine Figuren durchschütteln. Seid ihr denn alle verrückt geworden? Bei Magdalena (Elke Pusl) und Marta (Beate Korntner) war dieser Drang besonders stark vorhanden. Wenn man eine Geschichte schreibt, dann tut man das natürlich mit dem gewissen Kalkül damit auch eine Emotion zu erwecken, aber was das alles bei einem selbst und bei den Darstellern bewirken werden wird, erfährt man oft erst bei den Dreharbeiten.
Als sie sich umdreht, sieht sie Marta über sich im ersten Stock des Anwesens stehen, während die Hauchenden Mädchen mit Holzscheiten bewaffnet auf ebener Erde auf sie zu kommen.
MARTA
"Was Satan zusammengefügt hat,
soll der Mensch nun trennen…"
Meta zuckt zusammen und verschwindet hinter dem Pfahl. Sie versucht schnell die Fesseln ihrer Freundin zu lösen, aber Marta, deren Schritte die Treppe herunter wirbeln nähert sich ihr sich unaufhaltsam.
MARTA (FORTS.)
"So will ich die* Gottlosen deine Wege
lehren, dass sich die Sünder zu dir
bekehren..."
(Auszug aus dem Shooting Script) / * (sic) Bibel, 19. Jhd.

Eine Frage der Besetzung
Wer soll das spielen können? So oder so ähnlich reagierte Bettina Hutterer als sie das Skript zum ersten Mal gelesen hatte. Die Rolle der Magdalena konnte ich ihr mit Elke Pusl sofort beantworten, aber mit dem Rest tat ich mir dann schon eher schwer. Es mussten Leute sein, die mit mir ein Risiko eingehen wollten. Leute, denen diese Geschichte wirklich etwas bedeutete, die dafür brannten, das mit uns umzusetzen. Leute auf die man sich zu 100 Prozent verlassen konnte, die nach dem 50isten Take noch einen neuen machen wollten. Leute, wie Eva Allenbach und Julia Lena Lippoldt. Darsteller die für ihre Rolle durch die Hölle gingen oder selbst aus ihr hervor gekrochen
"Die Sehnsucht nach Realismus im Spiel war jedenfalls schnell am Set spürbar geworden."
Vorbereitungen auf die Liebesszene
C. Jacob mit Julia Lena Lippoldt und Eva Allenbach
zu sein schienen wie Beate Korntner und ihre wahnsinnige Marta. Die Sehnsucht nach Realismus im Spiel war jedenfalls schnell am Set spürbar geworden. Dabei war mir schon beim Schreiben bewusst: Entweder wir nehmen dieses Sujet todernst oder wir schmeißen die Sache hin und drehen etwas anderes. Denn eines wollte ich ganz bestimmt nicht: Aus menschlichem Leid eine technische oder oberflächliche Angelegenheit machen. Entweder ganz oder gar nicht.
Kostümfilm mit historischen Originalen
Metas Empfangskleid
hist. Original, gefertigt
zw. 1875 und 1889
Bis auf die Soutanen der beiden Priester wurden in diesem Film nur historische Originale verwendet. Weil Anschaffung, Datierung und Instandhaltung historischer Kleider viel Zeit in Anspruch nimmt, habe ich Monate, wenn nicht Jahre damit zugebracht historische Modezeitungen zu scannen und Gemälde zu studieren um alles in einer großen Datenbank, beginnend mit dem Jahr 1800 und endend mit dem Jahr 1900 zu vereinen. Dadurch war es mir möglich von Grund auf zu recherchieren und mir meine eigene Meinung zu bilden. So sind über 700 historische Abbildungen zusammen gekommen. Natürlich hätte ich es mir mit einigen Büchern auch erleichtern können, aber Bücher stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung und meiner Meinung nach wurde in künstlerischer Hinsicht schon genug kopiert. So sind viele Kleider, die man in diesen Büchern sieht zu Klischees geworden, die es heute zu vermeiden gilt. Was hat man damals wirklich getragen? Wie fiel der Stoff? Wie macht man ein Kleid zu? Oft steht man ein paar Minuten vor der Puppe und weiß vor lauter Haken und Ösen nicht mehr weiter. Der ganze Aufwand macht sich vor allem darin bezahlt, dass man am Ende ein Stück Geschichte in Händen hält. Manchmal war ein Zettel angeheftet auf dem die historischen Träger(innen) aufgelistet standen. Für die Darsteller spielt vor allem die Form eine große Rolle. Nicht atmen zu können, keine Bewegung oberhalb des Kinns ausführen zu können und vor allem die Unmöglichkeit sich unkoordiniert zu bewegen. Natürlich gingen so manche Kostbarkeiten kaputt, aber genau dann kam Birgit Ortmayers Kostüm Assistenz ins Spiel. Mit großer Sorgfalt hat die junge Mode Designerin alles restauriert was gerissen war. Metas zerfetztes Cape hat sie sogar Schritt für Schritt nachgenäht. In wenigen Tagen war ihr Meisterwerk fertig.
Metas Empfangskleid
hist. Original, gefertigt
zw. 1880 und 1889
Vom 2. bis 9. Mai 2012
Saal 1 / 20:00 Uhr
den Film auf der Leinwand erleben
Entwurf: Postkarte
Offizielles Filmplakat
A-0 / A-2 - leuchtkastentauglich
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